Hier klicken… und dann? – Usability im Weltformat

Simon Biemer Dieser Artikel wurde von geschrieben.

Wer hat sich diese Frage nicht schon einmal im Umgang mit interaktiven Medien gestellt! So einfach sie zunächst klingen mag, so entscheidend ist sie für die Akzeptanz interaktiver Produkte und den damit verbundenen Markterfolg. Eine Antwort auf diese Frage – oder noch einen Schritt weiter – diese Frage zu eliminieren ist Ziel des “World Usability Day“. Nun schon zum vierten Mal fand dieser am 13. November 2008 unter dem Motto “Making life easy!” auf 170 Veranstaltungen in 43 Ländern statt. Allein in Deutschland gab es in 14 Städten die unterschiedlichsten Angebote zum Thema Usability. Als Softwareentwickler mit der Spezialisierung User Interface Design bei der ubigrate GmbH in Dresden und der damit verbundenen Nähe zu Berlin, entschied ich mich für die Veranstaltung in der Hauptstadt, deren Tag sich ganz um die “Usability im Web 2.0” drehen sollte.

Einer der ersten Programmpunkte übernahm Klaus Cloppenburg von der interactive tools GmbH. Mit seinem Thema “Joy of Use: Wenn Usability Spass macht” schaffte er für die Zuhörer einen gelungen Einstieg in die Welt der Usability. Der “Joy of Use” beschreibt das positive, ästhetisch-emotionale Erlebnis im Umgang mit einer Website (interaktives Produkt). Demnach wird durch den Spaß an der Nutzung ein Mehrwert in der Interaktion erzeugt, der der Website bzw. dem interaktiven Produkt einen Wettbewerbsvorteil verschaffen soll. Nach Cloppenburg lassen sich unter Berücksichtigung des “Joy of Use” folgende grundlegende Kriterien für die inhaltliche und visuelle Gestaltung ableiten:

  • Optimale Erreichbarkeit (Fokus “Landing Pages”)
  • Individuelle Ansprache (schönes Bsp.: BBC)
  • Intuitives Handling (Bsp.: mobile.de; Suche im Zentrum – Kernkompetenz, Angebote “wandern” direkt auf die Startseite)
  • Inszenierung von Inhalten (Bsp.: Apple)
  • Emotionales Design (Bsp.: Adobe, Konzept einer Produktbühne)

Für mich persönlich stellt der “Joy of Use” einen echten Mehrwert da, den man an den wirklich gut umgesetzten Beispielen selber erleben kann. Viel Spaß beim ausprobieren!!!

Neue Wege beschreiten Steffen Hück und seine Kollegen von der HYVE AG. Ihr Motto lautet: “User Experience Co-Creation anstelle von Usability Testing”. Dies stellen sie als einen wichtigen Punkt der Kundenintegrationsforschung vor. Kunden werden aktiv – und vor allem in den frühen Phasen – an der Entwicklung beteiligt. Eine Möglichkeit neben dem direkten Kundenkontakt bieten die Meinungen der zahllosen Communities, die fast zu jedem nur erdenklichen Thema im Internet existieren und meist unbeachtet bleiben. Ein sehr gutes Beispiel wie viel Potenzial dort unerkannt schlummert liefert das von Konsumenten entwickelte Nike Talk. Ein Ansatz, der vielleicht nicht immer Verwendung findet, aber in vielen Fällen mit Sicherheit großes Potenzial bietet.

Ein lohnender und interessanter Vortrag wurde von der etwas angespannt wirkenden, aber sehr sympathischen Steffi Husslein gehalten. In einem sehr zügigen Durchlauf ihrer etwas umfangreicheren Präsentation vermittelte sie den Zuhöreren, wie sich die Bedienung interaktiver Produkte durch das Wiedererkennen grundlegender Interaktionsschritte für den Nutzer wesentlich vereinfachen lässt. Um dies konsistent innerhalb einer Anwendung zu gewährleisten, sollten frühzeitig während der Entwicklung Design Pattern berücksichtigt werden. Hierzu verwies sie unter anderem auf Welie.com oder Yahoo! Design Pattern Library. Im Moment hat sie die Vertretung der Professur für Interface Design in Dessau übernommen und arbeitet unter anderem an der Erstellung eines Pattern Browser für Interaction Pattern. Ein Blick auf ihr Portfolio lohnt sich für alle Interessierten.

Einer der letzten Vorträge an diesem Tag kam von Fabian Deschler von tortoise design mit dem sehr alltagstauglichen Titel: “Good Practice: Usability auch mit kleinem Budget!”. Kurz und knapp, jedoch auf eine sehr anschauliche Art und Weise lieferte er den Beweis, wie sehr es sich lohnen kann während der Entwicklung eines interaktiven Produktes Usability ausführlich zu untersuchen bzw. diese zu integrieren, auch ohne dafür einen “Stab” an Usability Professionals zu engagieren. Anschaulich insofern, da er als Beispiel die eigene Firma heranzog und den Erfolg mit Zahlen und Fakten belegen konnte. Ein eher intuitiver Ansatz, aber dennoch effektiv.

Es gab sicherlich noch den ein oder anderen erwähnenswerten Beitrag, doch soll hier nur ein kleiner Einblick gegeben werden. So endete für mich der “World Usability Day 2008″ nicht wirklich mit einer neuen Erkenntnis über den Lauf der Welt, allerdings zeigte es mir einmal mehr, wie wichtig es ist sich mit dieser immer noch oftmals wenig beachteten Thematik auseinanderzusetzen. Neben der leider sehr kurz angesetzten Vortragsdauer von nur je 30 Minuten, empfand ich den Tag als eine rundum gelungene und informative Veranstaltung und werde bestimmt auch 2009 den “World Usability Day” besuchen.

Link: World Usability Day (deutsche Website)

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